Bild Körper Karspar Hauser

// Performance, UA: 29. Oktober 1999, Theaterdock in der Kulturfabrik Berlin

Kaspar Hauser trifft Caspar Hauser – wie in einer Zeremonie. Sie tanzen, wühlen, kämpfen sich durch die historische Geschichte, suchen in einem selbst verfassten Lebensbericht und zeitgenössischen Quellen, stoßen an die Bilder dieses Mythos, lernen das Sichtbare der Bilder sehen, die wie Schattentänze über die Wände flimmern und auf die Bewegung ihrer Körper treffen. Beobachtet werden sie dabei von einem Mann, der die wahren Ereignisse zu kennen scheint und sie zurückstößt in den Raum, in die Geschichte des Findelkindes und die Zeit seiner Einsperrung und seinem Versuch, sich ins normale Leben von Nürnberg zu integrieren.

Mit: Martin Daerr, Nicole Gospodarek, Klaus Grape
Regie, Choreographie & Text: Johanna Hasse
Bühne: Mirko Frohmann
Kostüme: Miriam Daus
Video: Johannes Rosenstein

// Presse

Bis zu seiner Jugend bei Wasser und Brot eingesperrt, taucht Kaspar Hauser plötzlich 1828 in Nürnberg auf. Seine Herkunft ist unbekannt, er kann kaum sprechen, sein Zustand erregt höchste Aufmerksamkeit. Man inhaliert ihn. Nach einer gerichtlichen Untersuchung wird der Philosoph und Rechtswissenschaftler Anselm von Feuerbach sein Vormund. Aber nach zwei Attentatsversuchen gibt er ihn in die Obhut des Lehrers J. G. Meyer nach Ansbach. Hauser ist nun Schreiber bei der Kreisverwaltung und verkehrt in höheren Kreisen. Ein drittes Attentat überlebt er nicht. Er erliegt am 17. Dezember 1833 seinen Stichverletzungen.
Regisseurin Johanna Hasse hat sich im Theaterdock mit “Bild Körper Kaspar Hauser” an das Phänomen aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln herangewagt. Zum einen sind da die beiden Darsteller von Kaspar Hauser (Klaus Grape) und Caspar Hauser (Nicole Gospodarek), die in einer merkwürdigen Schizophrenie miteinander verbunden sind und von einem Zeremonienmeister (Martin Daerr) angeleitet werden. In einer lockeren Szenen folge erkunden sie das Leben des ewig Unmündigen, erforschen seine völlig andere Sicht auf die Welt, ohne ihn wirklich zu personifizieren. Monitor und auf einen weißen Vorhang projizierte Bilder, die die offene Spielfläche begrenzen, eröffnen den Blick aus dem Gefängnis. Berliner Morgenpost, 1. November 1999

Eine historische Figur des 19. Jahrhunderts erwacht zu neuem Leben. Das Theaterdock nahm sich sowohl des historischen und als auch des mystischen Kaspar Hausers an, seiner Geschichte, seiner Zeit und vor allem seiner Vorstellungswelt. Zwei Schauspieler und Tänzer spielen dabei seine seelische Zerrissenheit, die innere und äußere Bilderwelt, die er über viele Jahre in sich getragen hat und den Leidensweg, der seine Geschichte so einzigartig macht. “Bild Körper Kaspar Hauser” entwickelt damit unter der Regie von Johanna Hasse eine ganz eigene Magie. Verkörpert durch das dynamische Spiel der beiden Hauptdarsteller werden all die tragischen Facetten dieses Schicksals aufgezeigt und in eine moderne Bildsprache übersetzt. Tagesspiegel, 2. November 1999