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Statistiker sind die letzten Romantiker_Haus der Statistik Berlin

Statistiker sind die letzten Romantiker

Ehemalige Mitarbeiter:innen der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR erinnern sich

Eine Schaufensterausstellung von Maike Techen, Katharina Schlender und Johanna Hasse im Haus der Statistik vom 9. bis 27. April 2021, täglich von 19 bis 22 Uhr

Einsturzgefährdete Erinnerungen muss man suchen. Bei den Menschen und ihren Geschichten. Wenn sie niemand sucht, werden sie nicht gefunden und verschwinden im Baustellenschutt.

Die DDR gibt es nicht mehr und mit ihr die „Staatliche Zentralverwaltung für Statistik“. Doch sie lebt weiter in Menschen, die diese Republik erlebt haben, die in ihr gearbeitet haben und durch sie geprägt wurden.

Momentan kann man nicht mehr durch die Gänge im „Haus der Statistik“ wandeln. Baulärm der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen prägen das Bild. Ein Sicherheitsdienst bewacht die maroden Etagen.

Für die Schaufensterausstellung Statistiker sind die letzten Romantiker (nach einem Zitat von Robert Musil) wurden acht Zeitzeugen befragt, die ihre Arbeit und ihr Leben als Mitarbeiter:innen in der „Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik“ verbracht haben. Diese Zeitzeugen sind heute zwischen Mitte sechzig und neunzig Jahre alt. Von der Fotolaborantin, über die Sekretärin bis hin zum stellvertretenden Leiter und Chef eines Rechenzentrums. Sie geben ihre persönlichen Erinnerungen preis und erzählen, wie es für sie war, damals zu DDR- Zeiten im „Haus der Statistik“ zu arbeiten. Sie berichten von ihrem Leben mit der „Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik“ und geben einen Einblick in Zahlen, Zensur und Zerstreuung. In Planwirtschaft und Mangelwirtschaft. In Umstände und Widersprüche. In Sprache, Duktus und Gestus. Gelebtes Leben. Ihre Lebenserfahrungen sind Teil des kulturellen Gedächtnisses unserer Gesellschaft und Zeugen Berliner Geschichte.

Das „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz entstand Ende der 1960er Jahre als Sitz der „Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik“ der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung zog die Berliner Außenstelle des Statistischen Bundesamtes in den Gebäudekomplex ein, das bis 2008 auch Sitz der Behörde der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik” – in den Medien auch nach der Leiterin der Behörde Marianne Birthler „Birthler-Behörde” und zuvor „Gauck- Behörde” genannt – war. Danach stand das ehemalige „Haus der Statistik“ leer, dessen Erdgeschoß gegenwärtig als Modellprojekt im Rahmen einer kooperativen und gemeinwohlorientierten Pioniernutzung belebt wird, wo sich Kunst, Kultur und Soziales behaupten. 2024 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Auf dem Areal sollen unter anderem das Rathaus für den Bezirk Mitte, Wohnungen und Ateliers entstehen.

Gesamtkonzept und Produktion: Maike Techen
Dramaturgie und Fiktion: Katharina Schlender
Kamera und Schnitt: Johanna Hasse
Ausstellungsrealisierung und Webdesign: Marco Locatelli

Haus der Statistik
Foyer Haus A
Karl-Marx-Allee 1
10178 Berlin
Vom 9. bis 27. April 2021
Täglich von 19 bis 22 Uhr
Vernissage am 9. April 2021 um 20 Uhr
www.diestatistiker.com

Filetstücke von Michael Alexander Müller Vaganten Bühne Berlin und Monsun Theater Hamburg

FILETSTÜCKE – wem gehört das Land
von Michael Alexander Müller

Eine hybride Simultanaufführung des monsun.theaters Hamburg und der Vaganten Bühne Berlin

Uraufführung am 6. April 2021 um 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 7., 8., 9., 23. & 24. April, 26. & 27. Mai 2021

Ein Paradies für alle, die der Stadt entfliehen wollen, jenseits des Alltäglichen. In dem kleinen Ort Seelenheil unweit der Ostsee finden Architekt Lars Drewes und sein Partner Till Feldmann das perfekte Stück Land für eine Feriensiedlung. Allerdings haben sie dabei die Rechnung ohne die Dorfbewohner:innen gemacht, die mit allen Mitteln versuchen, den Bau zu verhindern und ihn über Jahre verzögern. Was 2004 als Sprungbrett ihrer Karriere gedacht war, wird zu einem 17 Jahre währenden Kampf um Investoren, Bebauungspläne, Genehmigungen und Regenbogenpfeifer.

Ein Paradies für alle, die den profanen Dingen des Lebens entfliehen wollen, bietet ein kleines Theater inmitten einer großen Stadt. Es muss saniert und modernisiert werden. Die Theaterleiterin Frau Kleinhaus investiert in die Barrierefreiheit auf allen Ebenen – kulturell, räumlich, gesellschaftlich. Auch dieses Bauprojekt zieht sich hin. Entwürfe müssen überarbeitet, Finanzpläne angepasst und Genehmigungen von den Behörden eingeholt werden. Dann stürzt das Dach ein.

Drewes, Feldmann und Kleinhaus müssen Wege finden, sich Gehör für ihre Filetstücke zu verschaffen, um ihre Träume und Räume zu retten – und um neues Kapital zu beschaffen. Ein Ringen um Zusagen, Sicherheiten, Standortvorteile und Marktstrategien beginnt. Es werden Lebensentwürfe und Hoffnungen verhandelt, Gewinne und Verluste und die Frage: Wem gehört das Land? Was ist der Preis? Worin sind wir bereit zu investieren? Es geht um alles, aber irgendwas stimmt nicht.

FILETSTÜCKE ist eine Kooperation zwischen dem monsun.theater Hamburg und der Vaganten Bühne Berlin. Zeitgleich stehen in beiden Theatern Schauspieler:innen auf den Bühnen, die live einander zugeschaltet werden, in Interaktion und Widerspruch zueinander treten. Zusätzlich werden beide Theaterabende live im Internet präsentiert und verbunden. Das Online-Publikum kann eigenständig zwischen den virtuellen Räumen wechseln und sich ortsunabhängig vernetzen.

Mit: Andreas Klopp & Felix Theissen (Berlin), Rilana Nitsch (Hamburg)
Konzept / Regie: Johanna Hasse (Berlin), Francoise Hüsges (Hamburg)
Kostüme: Marie-Luise Otto (Berlin/Hamburg)
Video / Live Visuals: Mara Wild (Berlin/Hamburg)
Video (Vorproduktion): Robert Kiehn (Berlin/Hamburg)
Technische Leitung: Philipp Selisky (Berlin), Ole Schmetzer (Hamburg)
Licht: Malte Hurtig (Berlin)
Dramaturgie / Produktionsleitung: Fabienne Dür (Berlin)
Kommunikation / Produktionsleitung: Jenny Schmidt (Hamburg)

Vaganten Bühne
Kantstraße 12a
10623 Berlin
www.vaganten.de
Karten: 030 – 313 12 07
info@vaganten.de

monsun.theater
Friedensallee 20
22765 Hamburg
www.monsun.theater
Karten: 040 – 390 3148
info@monsun.theater

Customerzombification 1 Theater Vorpommern

Customerzombification 1 / Mein fremder Wille
Digitales Game-Theater

Eine Produktion von BORGTHEATER – cyborg performing theater in Koproduktion mit dem Theater Vorpommern

Uraufführung am 19. Januar 2021 um 20 Uhr
Weitere Termine: 21. Januar, 3., 7. & 28. Februar, 4., 8., 23., 29., 30. & 31. März, 20., 21., 22., 24., 25. April 2021

2030. Wir leben als Customerzombies in einer Welt, die von extremer digitaler Produktabhängigkeit geprägt ist, und in der die Daten aller Menschen von einem DATA-System gespeichert und gemessen werden. Ein universelles Bonitätssystem überwacht, kontrolliert und bewertet jedes noch so persönliche Verhalten und teilt die Menschen entsprechend ihrer Vertrauenswürdigkeit und Kreditwürdigkeit in Klassen/Schichten ein.

Alice ist Influencerin für digitale Aufklärung und nachhaltige Lebensverbesserung. Gemeinsam mit ihren Followern (Zuschauer:innen) dringt sie in die zentrale Datenbank ein, um ihre Schwester zu finden, die aufgrund eines Missgeschicks herabgestuft und verschwunden ist. Doch eine künstliche Intelligenz dringt mit Hilfe von Datenspuren immer tiefer in das Leben der Protagonistin ein und versucht sie und ihren Kompliz:innen zu manipulieren. Immer wieder muss die Gruppe sich entscheiden, z.B. ob sie ihre eigenen Daten löschen und herabgestuft oder ob sie ihre Daten nicht löschen und belohnt werden. Aber durch welche Entscheidung wird Alice zu ihrer Schwester geführt? Denn nur eines der beiden Enden führt zu ihr.

Theater in Pandemie-Zeiten? Die Zuschauer:innen bleiben zu Hause und werden mit Hilfe der App TotoGo zu Spieler:innen. Sie nehmen als Follower virtuell am Live-Kammerspiel teil und entscheiden über Ablauf und Ausgang des Spiels.

Mit: Christiane Waak
Regie / Stückentwicklung / Game-Design: Rolf Kasteleiner
Dramaturgie: Johanna Hasse
Programmierung / Game-Design: Markus Schubert
Visual Content: Daniel Müller
Bildmischung: Sophie Loebjinski
Operator: Niklas Washausen

Theater Vorpommern
Anklamer Straße 106
17489 Greifswald
www.theater-vorpommern.de
Karten: 03834 – 5722 224
kasse-hgw@theater-vorpommern.de

Die nächsten Vorstellungen von „Vater“ im Januar 2021 am Theater Altenburg Gera fallen aufgrund der aktuellen Corona-Situation aus.

Vater von Florian Zeller Theater Gera

Vater
von Florian Zeller

Premiere am 2. Oktober 2020 um 19:30 Uhr
Weitere Vorstellungen: 3., 4., 18. & 25. Oktober, 11. Dezember 2020, 24. & 30. Januar, 2. Juli 2021

André ist um die Achtzig und lebt allein in seiner Pariser Wohnung. Beinahe täglich besucht ihn seine Tochter Anne. Und dann gibt es noch diese Frau, die er gerade mit der Gardinenstange verjagt hat. Angeblich soll sie sich um ihn kümmern, klaut aber seine Uhr, ohne die er nicht leben kann. Plötzlich steht ein fremder Mann in Andrés Wohnung, die jetzt gar nicht seine sein soll, und behauptet Annes Mann zu sein. Irgendwas stimmt nicht, als habe André „kleine Löcher im Gedächtnis“.

Florian Zellers Stück über Altersdemenz wurde 2012 in Paris uraufgeführt, 2014 mit dem Prix Molière ausgezeichnet und auf den Bühnen Europas wie auch am Broadway in New York aufgeführt. Der Autor nimmt den Zuschauer mit auf die Reise in Andrés Welt. Aus der Perspektive des Demenzkranken erzählt, führt der französische Erfolgsautor damit auch das Publikum in zeitliche und räumliche Orientierungslosigkeit. Dabei offenbart der Text nicht nur Momente der Hilflosigkeit, sondern besticht insbesondere durch die charmante, einfühlsame Figurenzeichnung des Protagonisten.

Mit: Ines Buchmann, Thorsten Dara, Johannes Emmrich, Marie-Luis Kießling, Peter Prautsch, Nolundi Tschudi
Regie: Johanna Hasse
Bühne & Kostüme: Christian Klein
Dramaturgie: Catharina Jacobi

Theater Altenburg Gera
Theaterplatz 1
07548 Gera
www.theater-altenburg-gera.de
Karten: 0365 – 827 91 05
kasse@theater-altenburg-gera.de